Interviews

Peter Waldner: Musik ist für mich vor allem Kommunikation

Peter Waldner (47) aus Mals hat kürzlich in seiner Reihe "Tastenfreuden" zwei neue CDs herausgegeben.

"Der Vinschger" führte mit ihm ein Gespräch.

Herr Waldner, wie kam bei Ihnen die Freude an der Musik auf?
Peter Waldner: Als ich Kind war, gab es in meinem Heimatort Mals noch keine Musikschule. Meine Mutter sang gerne mit uns Kindern: Sie ist ja heute noch Sängerin beim Kirchenchor Mals. Auch mein Vater war musikalisch. In der Kirche faszinierten mich Orgel und Orgelspiel: Erste wichtige musikalische Eindrücke. Bei einem erfahrenen Unterhaltungsmusiker lernte ich das Spiel auf dem Akkordeon: Das war mein erster Zugang zur Musik.
Wie wurden Sie Berufsmusiker?
Peter Waldner: Im Johanneum in Dorf Tirol besuchte ich zuerst die Mittelschule, dann das Humanistische Gymnasium. Dort hatte ich das Glück, auf Cyprian Czuchinsky, einen sehr guten Musiklehrer, zu treffen, und so lernte ich unter seiner Anleitung bald Klavier und Orgel zu spielen. Meinen Eltern bin ich heute noch dankbar dafür, dass sie damals ein Klavier für daheim ankauften, auf dem ich üben konnte.
Nach meiner Matura wollte ich eigentlich Deutschlehrer werden, und so inskribierte ich an der Universität in Innsbruck Germanistik als Haupt- und Musikwissenschaft als Nebenfach; zugleich studierte ich am Konservatorium. Bald merkte ich, dass mir Musik immer wichtiger wurde. Ich promovierte als Musikwissenschaftler, schloss aber auch mein Germanistikstudium und die Fächer Klavier, Orgel und Cembalo am Konservatorium mit Auszeichnung ab. Vor allem Alte Musik und historische Tasteninstrumente interessierten mich. Mit 22 Jahren war ich bereits Berufsmusiker. Es folgten inspirierende Studienaufenthalte im Ausland. Bis heute bin ich in Innsbruck tätig: Heuer feiere ich das 25-jährige Jubiläum als Organist der Landschaftlichen Pfarrkirche Mariahilf und künstlerischer Leiter der Konzertreihe für Alte Musik "Innsbrucker Abendmusik". Am Tiroler Landeskonservatorium und an der Expositur des Mozarteums unterrichte ich schon lange Cembalo, Orgel und Generalbass.
Was lieben Sie an Ihrem Beruf?
Peter Waldner (lacht): Das Schöne an meinem Beruf ist ganz sicher die Freude am Musikmachen, die dazu erforderliche Kreativität und das Kommunizieren mit den Menschen im Konzert. Musik ist für mich vor allem Kommunikation mit dem Publikum. Es ist schön, mehrere erfolgreiche Projekte wie etwa die Konzertreihe für Alte Musik "Innsbrucker Abendmusik" (bisher "AbendMusic-Lebensmusik") zu betreuen und auf originalen historischen oder nachgebauten Tasteninstrumenten zu konzertieren. Das Repertoire ist nahezu unerschöpflich. Ich liebe die Abwechslung in meinem Beruf, der mich als ganzen Menschen, mit Körper, Geist und Seele fordert. Die Projekte, meine Arbeit erfordern sehr viel Disziplin, auch der Unterricht am Konservatorium muss - nach wie vor - gründlich vorbereitet werden. Einerseits ist es spannend, in ganz Europa aufzutreten und zu konzertieren, andererseits musste ich aber auch lernen, flexibel zu sein, aus dem Koffer zu leben, von Hotel zu Hotel zu reisen. Was mich besonders erfüllt ist meine eigene CD-Reihe "Tastenfreuden", in der nun die fünfte und sechste CD erschienen sind.
Stichwort "Tastenfreuden" und die zwei neuen CDs.
Peter Waldner: Meine beiden neuesten CDs sind im Juli herausgekommen; meine eigene CD-Reihe habe ich 2011 ins Leben gerufen.
Die CD Nummer 5 ist der Orgel der Landhauskapelle in Innsbruck gewidmet. Dort gab es bis vor kurzem keine Orgel. Jetzt, da ein schönes neues Instrument vorhanden ist, habe ich gleich die erste CD auf dieser Orgel eingespielt, eben die "Tastenfreuden"-CD Nummer 5, auf der ich einen Querschnitt durch das barocke Orgelrepertoire präsentiere.
Die CD Nummer 6 ist etwas Besonderes, finde ich: Sie ist dem weniger bekannten, aber wichtigen deutschen Barockkomponisten und genialen Universalgelehrten Johann Kuhnau gewidmet. Kuhnau war nicht nur ein glänzender Musiker und Komponist, sondern auch ein hervorragender Schriftsteller. Im Jahr 1700 publizierte er einen umfangreichen satirischen Musikerroman, aus dem Martin Sailer eine kurzweilige Hörspiel-Version geschaffen hat, die auf der CD mit dem Titel "Der musikalische Quacksalber & Cembalowerke" zu hören ist. Katharina Brenner spricht den Text, ich spiele am Cembalo dazu. Text und Musik, alles, was auf der CD zu hören ist, stammt aus der Feder von Kuhnau.
Danke für das Gespräch.

Weitere Infos unter www.peterwaldner.at oder www.lebensmusik.at

Daniela di Pilla-Stocker - Der Vinschger

Abenteuer Interpretation

Neueinspielung: Peter Waldner spielt späte Klavierwerke von Franz Schubert am Hammerklavier ein und nimmt ihm so seine Schwere und den Weltschmerz.

Innsbruck/Mals. Wenn Peter Waldner von der Musik spricht, sprudeln nur so die Worte; man spürt seine Begeisterung und wähnt sich, Teil dieser zauberhaften Welt zu sein. Nun hat er zwei neue CDs eingespielt und vorgelegt: eine ist dem späten Klavierwerk Franz Schuberts gewidmet, die zweite stellt unter dem Motto „Bachs Mentoren“ die Komponisten Georg Böhm, Dieterich Buxtehude und Jan Adam Reincken vor.

Sie sind ein Spezialist für Alte Musik und für Barockmusik. Wie sind Sie auf die Idee gekommen, bedeutende Klavierwerke aus Franz Schuberts letzten Lebensjahren einzuspielen?
Peter Waldner: Seit vielen Jahren bin ich auf historische Tasteninstrumente spezialisiert und besitze auch eine umfangreiche Instrumentensammlung. Vom spätbarocken Repertoire hin zu Schubert sind es - musikgeschichtlich und interpretatorisch - nur wenige Schritte: so war es für mich ganz natürlich und logisch, mich mit Schuberts Klavierwerken an den historisch richtigen Instrumenten auseinanderzusetzen. Das Besondere an dieser Doppel-CD ist, dass ich sie an zwei Kopien früher Wiener Hammerflügel eingespielt habe: die beiden Hammerflügel aus den Werkstätten der Wiener Klavierbauer Michael Rosenberger (um 1805) und Jacob Bertsche (um 1815), die Franz Schubert gekannt und gespielt haben könnte, hat Robert Brown in minutiöser Feinarbeit nachgebaut; er ist ein ausgewiesener Fachmann auf diesem Gebiet und hat auch schon die beiden Originalinstrumente restauriert.
Dem heutigen Konzertbesucher und Musikliebhaber ist Schubert durch den Klang der modernen Instrumente vertraut. Wie klingen seine Werke auf dem Hammerklavier?
Waldner: Ich habe anhand eines akribisch genauen Studiums der Partituren und durch die Verwendung der stilistisch richtigen Instrumente einen völlig eigenständigen, ganz anderen Zugang zu Schubert gefunden: seine Musik wirkt so tänzerisch, leicht und elegant. Schuberts geniale Werke klingen auf dem Hammerklavier nicht so schwer und tragisch, wie wir es von vielen konventionellen Interpretationen her kennen. Ich habe versucht, seine Musik, die er in seinen Partituren unglaublich detailliert notiert hat, von Pathos, Schwere und Weltschmerz, mit der sie Interpreten des 19. und 20. Jahrhunderts immer wieder beladen haben, zu befreien. Für mich war es ein spannendes Interpretationsabenteuer.
Wie lange haben Sie Schubert auf dem Hammerklavier einstudiert?
Waldner: Ich war fast ein Jahr lang mit den Vorbereitungen für diese Einspielungen beschäftigt und habe tagtäglich viele Stunden übend an den Instrumenten verbracht; denn es ging mir darum, zunächst die beiden Hammerflügel genauestens kennenzulernen. Robert Brown hat sie dann während der CD-Aufnahmen betreut. Seine beiden Hammerflügel stehen der spätbarocken Welt der Cembali deutlich näher als dem heutigen modernen Klavier. Das Hammerklavier hat noch keinen Metallrahmen, dünnere Saiten und einen viel leichteren Anschlag als moderne Flügel; im Klang ist es schlank, sehr elegant und transparent. Eine der beiden Kopien verfügt über sechs Pedale und bietet somit verschiedene Registerfarben, wie wir sie zum Beispiel auch von der Orgel her kennen: zwei Moderatoren, Fagottzug, Una-corda-Pedal, Dämpfungspedal und Janitscharenzug (Perkussion und Glocke). Im Instrumentenbau wurde schon immer sehr viel experimentiert. Auch die Entwicklung des Hammerflügels ist zu Beethovens und Schuberts Lebzeiten sehr schnell vorangetrieben worden: in diesen Jahren arbeiteten allein in Wien über 150 Klavierbauer fieberhaft an der Weiterentwicklung des Hammerflügels. 20 Jahre Klavierbau brachten enorme Fortschritte und Neuerungen: Instrumente, die 1810 oder 1835 gebaut wurden, sind voneinander sehr verschieden.
Würde eine Neueinspielung der Werke der Zeitgenossen Schuberts, etwa Ludwig van Beethovens, auch solch neue Erkenntnisse bringen?
Waldner: Ja, selbstverständlich; auch dieses Repertoire gilt es, neu zu beleuchten. Beethoven war ein gesellschaftlich hoch geachteter Komponist, der in den vornehmen Wiener Palais ein- und ausging und die reiche Wiener Aristokratie mit neuesten Kompositionen versorgte. So gut wie jeder Wiener Klavierbauer wollte ihm aus Werbegründen einen Flügel schenken. Beethoven aber lehnte alle diese Angebote ab: er entschied sich für einen Flügel von Anton Gabriel Walter, später dann spielte er immer mehr auch auf kostbaren englischen Klavieren. Schuberts Welt hingegen war eine ganz andere: in sehr bescheidenen Verhältnissen aufgewachsen und lebend, stand er zeit seines Lebens im heroischen Schatten Beethovens; die Instrumente, die er zur Verfügung hatte, waren schlichter, seine Musik wurde nahezu ausschließlich im privaten Freundeskreis musiziert und gehört. Chopin und Brahms etwa spielten dann schon auf den Prachtinstrumenten von Carl Graf, die bereits über einen Metallrahmen, dickere Saiten und einen größeren Klaviatur-Umfang verfügten.
Wie waren die Reaktionen auf Ihre Schubert-Einspielungen?
Waldner: Bisher ausgesprochen positiv! Der österreichische Komponist Michael F.P. Huber formulierte es so: „Ich bin fest davon überzeugt, daß Du mit dieser Einspielung Interpretationsgeschichte geschrieben hast. Ich gratuliere Dir! Es ist Dir gelungen, diese Sonate (G-Dur) zum Leben zu erwecken - nachdem sie bisher ein kümmerliches Dasein im Dornröschenschlaf gefristet hat.“ Und Franz Gratl, der Musikkustos des Tiroler Landesmuseums Ferdinandeum, spricht von einer „Offenbarung“. Klassikradio Stephansdom in Wien hat die Doppel-CD übrigens gleich nach ihrem Erscheinen zur CD des Tages nominiert.
Die Verbindung von Hintergrundwissen mit der gespielten Musik ist Ihnen ein wichtiges Anliegen. Was wollen Sie mit der zweiten CD, die Werke der Mentoren Johann Sebastian Bachs präsentiert, vermitteln?
Waldner: Bach hatte keine leichte Kindheit und Jugend: bereits mit elf Jahren war er Vollwaise. Lernbegierig, wie er war, besuchte er anerkannte Komponisten und Tastenvirtuosen seiner Zeit, um sich weiterzubilden. So lernte er von drei der bedeutendsten Musikerautoritäten seiner Zeit: Georg Böhm, Dieterich Buxtehude und Jan Adam Reincken. Bach hatte nie über längere Zeit einen Lehrer; vieles hat er sich autodidaktisch angeeignet. Ich möchte zeigen, dass Bachs Musik nicht aus dem luftleeren Raum kam, sondern stilistisch und formal auf den Werken seiner Mentoren und Lehrer fußte, und damit auch ein neues Licht auf Bachs geniale Werke werfen. Interessierte finden im CD-Booklet detaillierte Informationen zu Johann Sebastian Bachs jugendlichen Studienreisen, etwa über seine Reise nach Lübeck, wo er sich vier Wochen lang bei Dieterich Buxtehude aufhalten wollte, dann aber ganze vier Monate dort blieb. Ich bin der Meinung, dass ein Musikwissenschaftler nicht bei der Theorie stehenbleiben, sondern sich auf die Praxis zubewegen soll; ein praktischer Musiker, der ganz ohne theoretischen Hintergrund arbeitet, ist in seinem Weitblick ebenso beschränkt. Ich habe das Glück, dass ich in meinem Metier beide Bereiche stimmig miteinander vereinen kann. Es geht mir immer um ganzheitliche Beschäftigung mit der Musik.
Die CDs sind in der Ihrer eigenen Reihe „Tastenfreuden“ erschienen. Welches ist das Ziel dieser Reihe?
Waldner: Das Logo der CD-Reihe besteht aus einer Klaviatur, auf der eine Nachtigall sitzt. Die Nachtigall ist ein Vogel, der besonders schön singt, zugleich auch ein oft zitiertes Liebessymbol. Bisher sind in meiner Reihe vier CDs erschienen: eine davon habe ich auf der ältesten spielbaren Orgel Südtirols, der Baldachin-Orgel (1559) der Churburg, eingespielt; diese CD stellt in erster Linie weltliches Orgelrepertoire vor, Intavolierungen von Liebesliedern und Tänze zum Beispiel; Musik, die heute - völlig zu Unrecht - fast in Vergessenheit geraten ist.
Welche Projekte sind in der nächsten Zeit geplant?
Waldner: Für das Label "musik museum" des Tiroler Landesmuseums Ferdinandeum wird gerade eine neue CD mit erstmals eingespielter Barockmusik aus Tirol, hervorragenden geistlichen Motetten von Pater Ingenuin Molitor, der an der Bozner Franziskanerkirche tätig war, fertiggestellt, die in Kürze erscheinen wird. Danach wartet ein voller Arbeits- und Konzertkalender auf mich: so werde ich einen Cembalo- und Klavierabend zu einem Kongress über die Ursprünge des (Wiener) Walzers oder etwa einen Liederabend zum Thema Mythologie mit weniger bekannten Werken von Schubert gestalten, um nur einige Projekte zu nennen. Auch in Südtirol werde ich 2013 mehrfach konzertieren.

Beate Gatterer - Dolomiten

"Alte Musik braucht Mut zu Authentizität und Individualität!"

Der aus Mals im Vinschgau stammende Organist, Cembalist, Fortepiano-Spieler und Musikwissenschaftler Peter Waldner, Professor am Tiroler Landeskonservatorium in Innsbruck, bemüht sich bereits seit mehr als zwei Jahrzehnten um die Pflege und Vermittlung Alter Musik an historischen Tasteninstrumenten im Tiroler Raum und weit darüber hinaus. Im Zett-Gespräch erzählt er von sich und seiner Liebe zur Alten Musik.

Herr Waldner, Sie leben und wirken seit 1985 in Innsbruck. Durch Ihre umfassende musikalische Ausbildung und Ihre ausgesprochen rege Konzerttätigkeit sind sie weit in Europa herumgekommen. Was fasziniert Sie gerade an Alter Musik so sehr?
Peter Waldner: Ich denke, das hängt sehr stark mit der archaischen Landschaft des Oberen Vinschgaus zusammen, wo ich meine Kindheit und Jugend verbracht habe. Diese bemerkenswert einzigartige Landschaft prägt sowohl Menschen als auch musikalische Tradition dieser Region sehr nachhaltig; schon als Kind, als ich angefangen habe zu musizieren, konnte ich mich diesem Einfluß nicht entziehen. Später dann am Konservatorium in Innsbruck, wo Alte Musik schon seit den 70-er Jahren einen hohen Stellenwert hat, eignete ich mir weiteres musikalisch-handwerkliches Können in diesem speziellen Bereich an und verfeinerte es; zusätzliche Impulse holte ich mir im Ausland, zum Beispiel beim Cembalisten Gustav Leonhardt in Amsterdam, einem der Pioniere der historischen Aufführungspraxis, dessen Spiel mich schon früh faszinierte.
Historische Aufführungspraxis liegt Ihnen am Herzen. Was hat man sich darunter vorzustellen?
Peter Waldner: Es geht dabei vor allem darum, Musik der Renaissance, des Barock, aber auch späterer Epochen wie der Klassik und Romantik so wiederzugeben, wie sie in der jeweiligen Epoche gespielt wurde. Das bedeutet auch, historische Instrumente oder deren Kopien ernst zu nehmen und für die Interpretation der Musik heranzuziehen. Dabei stellt sich die entscheidende Frage: „Wie hat sich ein Komponist oder Instrumentalist seine Musik vorgestellt, wie hat er sie klanglich umgesetzt?“ Nur so kann Alte Musik authentisch und frei von überladenem Pathos, das man speziell im 19. Jahrhundert liebte, wiedergegeben werden. Selbstverständlich spielen - neben gründlichem Quellenstudium - auch Kreativität, Fantasie und guter Geschmack des Interpreten eine sehr wichtige Rolle.
Sie besitzen selbst auch einige historische Tasteninstrumente...
Peter Waldner: Ja, ich habe eine Sammlung historischer Instrumente zu Hause, die ich auch bei Konzerten immer wieder bespiele. Darunter sind zum Beispiel ein französisches Cembalo nach Pascal Taskin und ein Lautenklavier nach Zacharias Hildebrandt. Ich mag diese filigranen Instrumente, weil sich die stilistisch richtige Musik auf ihnen so klar, transparent, natürlich und unverfälscht gestalten lässt. Selbstverständlich umfasst das Spiel solcher Instrumente weit mehr als bloss technische Aspekte und die flinke Beweglichkeit aller Finger. Es kommt vor allem darauf an, unmittelbar aus der Seele zu spielen, rhetorisch wirksam Affekte, also Gemütszustände, wie Freude, Trauer, Zorn, Glück oder Liebe unmittelbar auszudrücken und im Zuhörer zu wecken bzw. zu erregen.
Das heißt, klassisch antike Wertmaßstäbe spielen eine wichtige Rolle?
Peter Waldner: Ja, vor allem was die Vermittlung, den Vortrag von Musik betrifft: da muss Authentizität unbedingt auf Gestaltungs- bzw. Suggestionskraft und Individualität des Interpreten treffen. Der Musiker auf der Bühne ist wie ein Redner, der sich einer Menge rhetorischer Mittel bedient, um seine Zuhörer innerlich und äußerlich zu fesseln und zu bewegen. Vor allem barocke Musik bezieht sich ja sehr stark auf die antike Rhetorik nach Quintilian und Cicero; insofern ist sie eine nonverbale Sprache, über die der Musiker mit seinem Publikum kommuniziert, eine Klangrede eben!
In Vorträgen und im Unterricht versuchen Sie, diesen Wert Alter Musik auch zu vermitteln...
Peter Waldner: Ich halte es für ausgesprochen wichtig, dass Studenten und Musikbegeisterte einen möglichst unkomplizierten, direkten Zugang zu Alter Musik und deren Grundlagen bzw. Hintergründen finden. Immer wieder habe ich die Erfahrung gemacht, dass selbst routinierte Klavierlehrer an Musikschulen der Musik früherer Epochen überdrüssig sind oder wenig mit ihr anzufangen wissen, sie zwar vorschriftsgemäß nach Lehrplan, meist aber mit wenig Freude oder Begeisterung spielen und unterrichten. Ich versuche, ihnen unkonventionelle Zugänge aufzuzeigen, sie auf Gehalt, Affekte und rhetorische Aussagekraft der Musik hinzuweisen und sie behutsam und sensibel zu einem liebe- und fantasievollem Spiel anzuregen. Insofern empfinde ich das weite Feld der Alten Musik auch als ein umfangreiches pädagogisches Gebiet, dessen Inhalte und Werte für uns Menschen des 21. Jahrhunderts hochaktuell sind.

Kurzbiographie:
Peter Waldner stammt aus Mals im Vinschgau, studierte Orgel, Cembalo und Klavier am Tiroler Landeskonservatorium in Innsbruck und spezialisierte sich anschließend in Holland, Frankreich und der Schweiz im Bereich Alter Musik. Derzeit ist er als Dozent am Tiroler Landeskonservatorium und am Mozarteum sowie als Organist der Landschaftlichen Pfarre Mariahilf in Innsbruck tätig. Seine Konzerttätigkeit führt ihn durch ganz Europa. Er leitet die Konzertreihe „Abendmusic – Lebensmusik“, spielt laufend CDs vor allem im Bereich der Renaissance- und Barockmusik auf historischen Instrumenten ein und ist als Referent international tätig.

Bernhard Pattis - Zett/Die Südtiroler Zeitung am Sonntag

Die Orgel ist eine Art Orchester

Portrait - Professor Peter Waldner

Professor Peter Waldner, langjähriger Dozent für Cembalo, Orgel und historische Aufführungspraxis in Innsbruck und gebürtiger Malser, zeigt in seiner Heimat auf Einladung des Pfarrgemeinderates Reschen sein Können.

Ich treffe Waldner an der Orgel der Pfarrkirche beim Einspielen während der Vorbereitungen zu seinem Konzert. Er unterbricht sein Spiel, nimmt sich Zeit und lässt sich bereitwillig fotografieren.

Im anschließenden Gespräch erinnert er sich an seine Zugänge zur Orgelmusik.

Peter Waldner ist in Mals im Vinschgau geboren und aufgewachsen. Damals gab es im Ort noch keine Musikschule und nur wenig Möglichkeiten, Musik zu erlernen. Prägend für ihn war das Orgelspiel in der Kirche, dem er schon als kleines Kind, später dann als Ministrant immer wieder aufmerksam zuhörte. Als Sechsjähriger fand er schliesslich über das Akkordeonspiel selbst zur Musik: bei einem bekannten Unterhaltungsmusiker aus seinem Heimatdorf nahm er 5 Jahre lang Unterricht und spielte damals vor allem Tanzmusik, Schlager und Volkslieder.

Mit elf Jahren kam Peter Waldner in die Mittelschule ins Johanneum nach Dorf Tirol, in eine Schule, die über viele Klaviere, eine Orgel und einen eigenen Klavierlehrer verfügte. Dort hatte er zum ersten Mal die Möglichkeit, am Tasteninstrument einen guten Basisunterricht zu bekommen und sehr viel Musik zu hören; das war für ihn der Auslöser, sich bis zur Matura intensiv mit klassischer Musik und mit dem Spiel verschiedener Tasteninstrumente zu beschäftigen. Ihm war dann klar, dass er an der Universität und am Tiroler Landeskonservatorium in Innsbruck Musikwissenschaft, Germanistik, Orgel, Cembalo und Klavier studieren würde. Diese Entscheidung wurde vor allem auch vom Elternhaus unterstützt. Die Mutter singt heute noch im Kirchenchor, war als Mädchen und junge Frau Mitglied der Volkstanz- und Theatergruppe von Burgeis und spielte Gitarre. "Wir haben daheim auch oft gemeinsam gesungen." Das waren wertvolle frühe Prägungen, die dazu führten, daß er schon als Kind mit Musik in Berührung kam. Die Begegnung mit den Lehrern am Johanneum, vor allem aber mit seinem Klavier- und Musiklehrer Prof. Cyprian Czuchinsky, der ihn all die Jahre hindurch nachhaltig gefördert und ihm den Weg gewiesen hat, waren für Waldners weiteren Entwicklungsweg sehr wesentlich.

In Amsterdam, Paris und Basel spezialisierte er sich schließlich nach dem erfolgreichen Abschluß seiner Studien in Innsbruck mithilfe mehrerer Stipendien bei renommierten Meistern ihres Fachs wie Gustav Leonhardt, Kees van Houten, Hans van Nieuwkoop, William Christie und Jean-Claude Zehnder auf das Spiel historischer Tasteninstrumente sowie auf Interpretation und Aufführungspraxis Alter Musik.

Auf die Frage, ob Musik das Wort Gottes verständlich machen könne, antwortet Waldner:
Ja, selbstverständlich! Einer der Bereiche, in denen ein Organist tätig ist, das sind die Gottesdienste: er hat für ihre abwechslungsreiche musikalische Gestaltung zu sorgen. Orgel- und Kirchenmusik haben - neben dem gelesenen und gesprochenen Wort - auch eine Verkündigungsfunktion. Nicht umsonst ist in vielen protestantischen Kirchen die Orgel unmittelbar über der Kanzel vorne im Kirchenraum plaziert. Über wert- und gehaltvolle Musik können religiöse und spirituelle Botschaften an die Zuhörer vermittelt werden. Orgelmusik trägt dazu bei, einen sakralen Raum wie die Kirche zu beleben und mit entsprechendem Inhalt zu füllen. Auch während eines Konzerts, in dem sakrale Orgelmusik gespielt und vorgestellt wird, können Konzertbesucher unter Umständen religiöse Erfahrungen machen.
Kann man über Musik eine Gotteserfahrung erleben?
Ich glaube schon, denn Musik ist in ihrem innersten Wesen etwas Immaterielles. Mit ihrer Hilfe kann man Wege dorthin aufzeigen. Ludwig van Beethoven zum Beispiel formulierte es folgendermassen: 'Meine Musik: das sind die göttlichen Gedanken'. Er war der Meinung, dass über seine Musik göttliches Gedankengut zugänglich wird.
Musik wird im Warenhaus oder auf dem Waffenplatz als Mittel zum Zweck und zur Manipulation eingesetzt. Kirchenmusik auch?
Jede Art von Musik ist immer auch eine Form der Beeinflussung und kann leicht instrumentalisiert werden: im Dritten Reich zum Beispiel wurde Musik schamlos für Propaganda-Zwecke eingesetzt und in den Dienst einer menschenverachtenden Ideologie genommen. Mit meinen musikalischen Aktivitäten möchte ich allerdings niemanden manipulieren oder steuern: davon bin ich wirklich meilenweit entfernt! Orgel- und Kirchenmusik sollen den Zuhörer natürlich schon nachhaltig beeindrucken und bewegen, seine Seele berühren, Erfahrungen ermöglichen, Emotionen bei ihm auslösen, ihn aufbauen, ihm Trost spenden, ihm Hoffnung machen und neue Welten aufzeigen, die für das seelisch-geistige Gleichgewicht des Menschen von grosser Wichtigkeit und besonderer Bedeutung sind: der Mensch lebt ja bekanntlich nicht nur vom Brot allein. Kirchenmusik soll aber auf keinen Fall manipulieren, Druck ausüben, mit moralischem Zeigefinger drohen oder belehren, sondern - meiner Meinung nach - einen Freiraum eröffnen, in dem der Zuhörer ungezwungen, intuitiv seine ureigensten persönlichen Erfahrungen machen und vor allem die Kraft und Schönheit wesentlicher Musik erleben kann.
Welche Beziehung haben Sie zur Orgel?
Was mich an diesem herrlichen Instrument schon immer faszinierte, ist der totale Körpereinsatz, aber auch der Einsatz von Geist und Seele, der notwendig ist, um dieses universale, oft auch als "Königin der Instrumente" bezeichnete Instrument zum Klingen zu bringen. Der Organist spielt die Orgel mit Händen und Füßen, mit Geist und Herz, mit Kopf, Verstand und Gemüt, letztlich mit allem, was ihm zur Verfügung steht. Er kann sehr viel Musik selber darstellen, ohne auf andere Musikerkollegen angewiesen zu sein. Jede Orgel, ob groß oder klein, ist auch eine Art Orchester: sie verfügt über viele verschiedene Klangfarben und Register; der Organist kann sein Instrument in unterschiedlichsten Registrierungen zum Erklingen bringen und sich dabei sehr individuell und kreativ ausdrücken. Die Orgel ist aber zugleich auch eine Art komplexe Maschine, mit deren Hilfe der Organist musikalisch-seelische Botschaften klar und deutlich artikulieren und übermitteln kann. Durch einen jahrelangen Übungsweg, der sehr viel Geduld und Disziplin erfordert, geht das Orgelspiel dem Organisten dann schliesslich in Fleisch und Blut über.
Wie gefällt Ihnen die Orgel in Reschen?
Diese Orgel ist ein sehr, sehr schönes und wertvolles Instrument; sie spielt sich ausgesprochen angenehm und verfügt über eine auffallend leichtgängige Traktur und Mechanik: eine Tatsache, die mir persönlich sehr entgegenkommt, denn ich spiele ja auch sehr viel und gerne Cembalo. Die klangliche Qualität der Orgel hier ist außergewöhnlich. Die Bevölkerung von Reschen kann sich über ein vielseitig einsetzbares Instrument freuen: denn diese Orgel ist nicht nur ein Instrument, das gut funktioniert, sondern vor allem auch ein sehr schönes Konzertinstrument von hoher Qualität.
Nach unserem Gespräch widmet sich Peter Waldner mit konzentrierter Ruhe und sichtlicher Freude am Musizieren seinem Konzert.
Ich habe mein Konzertprogramm speziell auf die Orgel von Reschen, die von der Schweizer Firma Felsberg im norddeutschen Stil konzipiert und gebaut wurde, abgestimmt und entsprechend zusammengestellt: in erster Linie weihnachtlich festliche Barockmusik vor, um und nach Johann Sebastian Bach rund um den Choral 'Wie schön leuchtet der Morgenstern'.

Waldner lässt Orgelwerke von William Byrd, Thomas Morley, Giles Farnaby, William Tisdall, Ingenuin Molitor, Johann Pachelbel, Friedrich Wilhelm Zachau, Dieterich Buxtehude, Johann Kuhnau und Johann Sebastian Bach erklingen, sehr zum Wohlgefallen der Einheimischen und der Gäste in der Pfarrkirche von Reschen.

Andreas Waldner - Vinschgerwind

Neues von Peter Waldner

Peter Waldner, Jahrgang 66, gebürtig aus Mals im Vinschgau, ist einer der bedeutendsten Organisten, Cembalisten und Spezialisten für Alte Musik im Alpenraum und längst auch international anerkannt. Zahlreiche Auszeichnungen bestätigen mittlerweile sein herausragendes Können und sein musikalisches Schaffen. Dennoch ist er bescheiden geblieben, hängt seinen Ruhm nicht an die große Glocke und meldet sich bei der lokalen Presse immer nur dann, wenn es von ihm etwas "Neues" gibt.

"Der Vinschger" hat mit ihm über seine zwei neuesten CDs gesprochen, die erst kürzlich erschienen sind.

Herr Waldner, Sie sind für kurze Zeit auf Urlaub in Ihrem Elternhaus in Mals, nehmen die Arbeit aber immer mit?
Waldner: Ja, so ist es: die Musik gehört zu meinem Leben, ist überhaupt mein Lebenselixier; sie hält mich sowohl geistig als auch seelisch beweglich und frisch. Im Moment bin ich intensiv mit Claviermusik von Franz Schubert an zwei Kopien historischer Wiener Hammerflügel aus der Schubert-Zeit und den Vorbereitungen für meine nächste CD-Aufnahme im Jänner beschäftigt. Auch werde ich in der Pfarrkirche von Reschen ein Orgelkonzert geben (hat bereits stattgefunden, Anm. d. Red.)
Also auch fast in Ihrer Heimat. In Mals sind Sie aber schon länger nicht mehr aufgetreten?
Waldner: Ja, es ist schon etwas eigenartig und für mich ziemlich befremdend, dass ich überall sonst laufend zu Konzerten und Workshops eingeladen werde, in meinem Geburts- und Heimatort Mals allerdings aber eher selten.
Künstler werden im eigenen Dorf oder in der eigenen Stadt leider sehr oft verkannt. Nun aber zu dem, was Sie Neues mitgebracht haben.
Waldner: Es gibt nun zwei neue CDs von bedeutenden historischen Orgeln, die gerade erst erschienen sind: eine Neuaufnahme an der Baldachin-Orgel der Churburg in Schluderns und die allererste CD-Einspielung der wunderbaren Orgel in der Silbernen Kapelle der Hofburg in Innsbruck.
Stellen Sie bitte ihre Werke vor!
Waldner: Vor rund 14 Jahren habe ich bereits eine erste CD auf der einzigartigen Baldachin-Orgel der Churburg, einem Originalinstrument aus dem Jahre 1559, eingespielt. Im Juni 2011 wurde dort eine Neuaufnahme gemacht, im vergangenen Oktober ist die CD erschienen. Es gibt dazu ein ausführliches Booklet (Begleitheft, Anm. d. Red.) von 44 Seiten, auf denen ich dieses weltweit bedeutende historische Tasteninstrument aus der Spätrenaissance - begleitet von zahlreichen Abbildungen - und auch das musikalische Programm, das ich eigens für diese CD-Einspielung zusammengestellt habe, vorstelle. Die Musik stammt aus der Erbauungszeit der Orgel, passt also genau zur damaligen Epoche. Die Texte zur CD habe ich selbst recherchiert und in liebevoller Detailarbeit geschrieben.
Die zweite CD ist in Innsbruck entstanden: auf der weltberühmten Renaissance-Orgel in der Silbernen Kapelle der Hofburg, datiert auf etwa 1580. Diese Orgel ist das früheste erhaltene Exemplar eines sogenannten "organo di legno", also eines Orgelinstruments, das vorwiegend mit Holzpfeifen ausgestattet ist. Es handelt sich hierbei um die allererste CD-Aufnahme dieses bedeutenden mitteltönig gestimmten Orgelinstruments der Spätrenaissance. Auch in diesem Fall gibt es ein umfangreiches, reich bebildertes Booklet von 44 Seiten mit detaillierter Information zur Orgel und zur eingespielten Musik. Die Texte stammen von mir und Dr. Franz Gratl, dem Musikkustos des Tiroler Landesmuseums Ferdinandeum in Innsbruck. Die CD wurde im vergangenen Juli aufgenommen und ist Mitte Dezember in der CD-Reihe des Ferdinandeums "musik museum" erschienen.
Vielen Dank, Herr Waldner und weiterhin viel Erfolg!

Daniela di Pilla-Stocker - Der Vinschger

Der mit Händen und Füßen spielt

Wie funktioniert eine Orgel?

Vier "Doremifa" - Reporterinnen haben in Innsbruck einen Musiker an seinem Instrument, der Orgel, besucht.

Seit 20 Jahren ist Peter Waldner Organist der Landschaftlichen Pfarrkirche Mariahilf in Innsbruck. Er verriet unter anderem, wieso die Orgel Orgel heißt.

Das Festival "Klangspuren Schwaz", eines der größten Festivals zeitgenössischer Musik in Österreich, lädt Kinder regelmäßig zu musikalischen Entdeckungsreisen ein: "Klangspuren barfuß" heißt diese spezielle Veranstaltungsreihe.

Hier einige der Fragen, die Theresa (11), Isabell (11), Hanna (8) und Teresa (8) dem Organisten Peter Waldner gestellt haben:

Wieso heißt die Orgel Orgel?
Der Name kommt vom lateinischen Wort "organum", das heißt Werk. Die Orgel ist eine Art Werk, etwas sehr kunstvoll Gemachtes, aber auch die Werkstätte des Organisten, der Arbeitsplatz des Orgelspielers.
Wieso hat die Orgel zwei Stockwerke?
Du meinst die beiden Tastenreihen, die so aussehen wie beim Klavier? Das ist bei vielen Orgeln so. Es gibt Orgeln, die nur eine Tastenreihe haben. Diese da hat zwei. Es gibt aber auch Orgeln mit drei, vier oder sogar fünf Tastenreihen. Der Organist kann auf den verschiedenen Klaviaturen mit beiden Händen spielen.
Und wozu sind die vielen Metallröhren in der Orgel gut?
Die vielen Metallröhren einer Orgel nennt man Pfeifen. Die Orgel ist ja zugleich ein Blas- und ein Tasteninstrument! In der Pfeife entsteht der Ton. Eine Orgel hat deshalb so viele verschiedene Pfeifen, damit man viele verschiedene Töne - hohe, mittlere und tiefe - spielen und hören kann.
Warum sind da so Holzstäbe, wo man ziehen kann?
Diese Hebel sind die Registerzüge, so heißt das bei der Orgel. Wenn ich jetzt zum Beispiel die Orgel einschalten will, dann drücke ich auf einen Knopf: der Elektromotor startet. Ihr schaltet zuhause ja auch das Licht an, wenn es dunkel wird. Jetzt ist die Orgel eingeschaltet. Aber wenn ich jetzt auf der Klaviatur etwas spielen möchte, hört man noch keinen Ton. Um einen Ton zu bekommen, muss ich einen Registerzug herausziehen. Dann kann ich auf der Orgel schon Musik machen. So kann ich mir selber die Klangfarben zusammenmischen, die ich beim Spielen brauche.
Wieso hat die Orgel da unten so Holzdinger?
Die Orgel hat nicht nur zwei Manuale, auf denen man mit den Händen spielt, sondern auch ein Pedal, und das ist für die Füße. Der Organist spielt mit beiden Händen und beiden Füßen. Das, was Du gemeint hast, ist die Klaviatur für die Füße, das Pedal. Und genauso wie man oben mit den Händen spielt, spielt man unten mit den Füßen.
Wenn Du die Fußpedale drückst, wieso bewegen sich dann auch die Tasten?
Das ist so: wenn ich so einen Koppeltritt drücke (das ist einer dieser Hebel, die ich mit dem Fuß betätigen kann), dann gehen die Manualtasten einfach mit, wenn ich auf dem Pedal spiele, und es klingt auch die Klangfarbe mit, die ich oben registriert habe. Diese Orgel hier hat drei verschiedene Koppeln, die ich alle mit dem Fuß ein- und ausschalten kann. Wenn ich zum Beispiel die beiden Manuale zusammenkoppeln will, dann drücke ich diesen Tritt hier: jetzt gehen auch die Tasten am oberen Manual mit, wenn ich am unteren Manual spiele. Das sieht dann so aus, als ob da noch jemand mitspielt, den man gar nicht sieht.
Wofür ist das gut, dass das oben mitgeht?
So habe ich einfach viel mehr Klang zur Verfügung, mehr Ton, mehr Klangfarbe, mehr Volumen. Ich kann kräftiger spielen und viel farbiger registrieren.
Warum stehen Orgeln eigentlich in der Kirche?
Orgeln sind in Kirchen schon sehr lange in Verwendung. Die Orgel wird bei den Gottesdiensten, aber auch bei Konzerten gespielt. Das ist schon seit etwa 500 Jahren so. Es gibt aber auch andere Orgeln, die nicht in Kirchen stehen. Das sind oft kleinere Instrumente, die man transportieren kann, die sogenannten Orgelpositive. Aber es gibt auch riesige, grosse Orgeln in Konzertsälen, und manchmal findet man sogar eine Orgel im Kino; auf diesen Instrumenten wurde zu Stummfilmen Musik gemacht und improvisiert. Die meisten und die schönsten Orgeln sind aber in den Kirchen zu finden.

Renate Burtscher - Homepage ORF Wien

Konzerttätigkeit

Seit vielen Jahren konzertiert Peter Waldner in zahlreichen Ländern und
Musikmetropolen Europas sowohl solistisch an Orgel, Cembalo,
Lautenclavier, Virginal und Fortepiano als auch im Ensemble als Leiter und
Continuospieler.

Sehr gerne gestaltet er auch spezielle Konzertprogramme für Kinder:

  • Alte Musik für junge Ohren
    Eine musikalische Reise durch das barocke Europa für Kinder ab 6 Jahren
    Peter Waldner Cembalo, Virginal & Clavichord
  • Die kleine Prinzessin & die Zauberkraft der Musik
    Ein neues Märchen mit Alter Musik von Peter Waldner & Verena Wolf
    Peter Waldner Spinett

Vortragstätigkeit

Peter Waldner ist immer wieder als Vortragender aktiv.

Vortragsthemen:

  • Alte Musik heute
  • Musik als Sprache und Ausdruck der Seele
  • Alessandro Poglietti "Rossignolo"
  • Johann Sebastian Bach:
    "Orgelbüchlein"
    Das Orgelwerk
    Das Cembalowerk
    Musikalische Rhethorik
    Verhältnis von Text und Musik
    Affekten- und Figurenlehre
    Zahlensymbolik

Lehrtätigkeit

Seit 1993 unterrichtet Peter Waldner Cembalo, Orgel, Generalbass und historische Aufführungspraxis am Tiroler Landeskonservatorium sowie an der Expositur des Mozarteums in Innsbruck.